Stefan Stark


* 1983 in München, GER
lebt in Frankfurt am Main

Über Medien vermittelte Bilder schaffen einen ersten Zugang zu Ereignissen. Ihre gezielte Auswahl und wiederholte Präsenz prägen das Verständnis von Geschehnissen. Diesen Fragen von medialer Konfrontation und Wirkungskraft spürt Stefan Stark in seiner Arbeit „Beate“ (2015) nach. Im Vorfeld setzte er sich intensiv mit der visuellen Berichterstattung rund um die rechtsextreme Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“, kurz NSU, auseinander. Die häufig wiederkehrende Fotografie einer Campingszene mit den drei NSU-Mitgliedern Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe nimmt Stark zum Ausgangspunkt seiner raumgreifenden Installation. Im Vergleich zu anderem veröffentlichtem Bildmaterial, das die drei Terroristen eindeutig im rechtsextremen Umfeld verortet,  unterscheidet sich die Campingszene, wie auch viele andere der markant emotionslosen Medienbilder von Opfern und Tätern im NSU-Skandal auffällig in ihrer Neutralität.

In seiner Installation tauchen versatzstückhaft Objekte und Materialien aus den Bildern auf. Das größte strukturierende Element bildet dabei das Außenmaterial für Wohnmobilwände. Der Wiedererkennungswert der Campingthematik sowie
der Oberflächenstruktur transportiert Normalität und Alltäglichkeit. Neben dem vielfältigen Aufeinandertreffen der Details aus dem Bildmaterial, verhindert diese Verschiebung einen klaren emotionalen Zugang zu den Ereignissen. Aus dem kühlen Off der medialen Bildwelt in den Ausstellungsraum transferiert, bleibt die Begegnung in ihrer Kunsthaftigkeit somit bewusst an der Oberfläche.



AUSSTELLUNGSORT:
Nassauischer Kunstverein Wiesbaden


STEFAN STARK
Beate, 2015
Installation, verschiedene Materialien, Größe variabel
© the artist