Khaled Barakeh


* 1976 in Damaskus, SY R
lives in Frankfurt am Main

In einigen seiner Werke setzt sich Khaled Barakeh mit dem seit Frühjahr 2011 anhaltenden Bürgerkrieg in Syrien auseinander. In Regarding the Pain of Others (2013) beispielsweise baut er eine „Na’ash“, eine Art Tragbahre, in einen auf dem Boden liegenden Thron um und platziert sorgfältig die restlichen Holzstücke und das entstandene Sägemehl daneben. Die „Na’ash“ erfüllt bei Beerdigungen in Syrien eine rituale Funktion: Sie soll die Toten in die Totenwelt geleiten. In gleicher Weise wie die „Na’ash“ eine transitive Funktion erfüllt, so ist Barakehs Arbeit gewissermaßen die symbolische Umformung einer autoritären und gewalttätigen Gegenwart hin zu einer friedlichen, lebenswürdigen Zukunft. Das auf dem Rücken liegende Möbel, sowie die Holzstücke, die sich neben dem gestürzten Thron befinden, sind Zeugen dieses Übergangs. Sie selbst tragen die Einschreibungen der Vergangenheit in sich.

Ausgangspunkt von Damascus 15 / 02 / 2012 19 : 47: 31 ist ein Foto eines Folteropfers der Polizei aus der syrischen Hauptstadt. Barakeh hat die Aufnahme einer Wunde aus dem Foto isoliert, stark vergrößert und als Vorlage für einen Druck verwendet. Auf den fünf großen Blättern wird jeder einzelne Druck immer schwächer und verblasst am Ende vollständig. Das Verschwinden der gewaltsam zugefügten Verletzung von Papierstück zu Papierstück kann als Analogie zu den nicht abgebildeten Gewalttaten, die in Syrien immer noch geschehen, verstanden werden.



AUSSTELLUNGSORT:
Frankfurter Kunstverein


KHALED BARAKEH
Regarding the Pain of Others, 2013 und Damascus 15/02/2012 19:47:31, 2013
Installationsansicht
Foto: Jens Steingaesse